Steffens Taktik geht voll auf

Quelle: www.magazin-forum.de
von Philipp Häfner

Die SV Elversberg findet sich nach Problemen am Anfang auf dem zweiten Platz und im Aufstiegskampf wieder. Schwächen darf sich das Team aber keine leisten.

Ausgangslage

Nachdem Roland Seitz im vergangenen Jahr eher weniger mit dem Aufstieg zu tun hatte, wurde er durch Horst Steffen ersetzt. Der Fußball-Lehrer brachte frischen Wind an die Kaiserlinde und ließ auch im Umfeld wieder von mehr träumen. Das Saarlandpokalfinale ging zwar verloren, mit dem dritten Platz in der Saison war der Verein größtenteils zufrieden – zu übermächtig war Waldhof Mannheim in dieser Spielzeit. Der Kader wurde danach umgebaut, Steffen bekam seine Wunschspieler. Die Innenverteidigung wurde mit Thorben Rehfeld und Oliver Oschkenat verstärkt, in der Sturmspitze ging Kevin Koffi in die Dritte Liga nach Mannheim, Del Angelo Williams und Thomas Gösweiner traten sein Erbe an, auch Kai Merk sollte in dieser Saison vermehrt zu Einsätzen kommen. Von den Leistungsträgern beendete Leandro Grech seine Karriere, ansonsten verließen eher Spieler den Verein, die weniger Einsatzminuten auf dem Buckel hatten.

Der Saisonverlauf

Zum Start in die Saison setzte die SVE ein Ausrufezeichen und fegte Aufsteiger Gießen mit 7:1 an der Kaiserlinde weg. Die Stärke der Offensive sollte auch im weiteren Saisonverlauf zur Geltung kommen. Nach zwei Siegen folgten zwei Unentschieden. Am siebten Spieltag setzte es dann bei der prominent verstärkten Zweiten Mannschaft der Hoffenheimer die erste Saisonniederlage. Die zweite folgte einen Spieltag später im Derby gegen den FC Homburg. Gegen den direkten Konkurrenten aus Steinbach verlor die SVE dann ihr drittes Spiel nur zwei Spieltage später, und es schien, als wäre der Zug nach oben relativ schnell abgefahren. Doch seit diesem Spiel verloren die Elversberger kein einziges mehr. Die einzigen Punkte gaben sie ab, als sie am letzten Spieltag des Jahres gegen Freiburg erneut nur ein 0:0 holen konnten. In die Reihe der siegreichen Spiele fielen zwar einige Teams aus der unteren Region der Tabelle, aber auch der deutliche und verdiente Derby-Sieg gegen den 1. FC Saarbrücken. In dieser Saisonphase schaffte es die SVE, den Rückstand auf den FCS, der vorher acht Punkte betrug, auf zwei Punkte zu verringern. Nach dem Punktverlust gegen Freiburg sind es nunmehr wieder vier Punkte. Dennoch ist die Art und Weise, mit der die SVE auf die drei Saisonniederlagen reagiert hat, aller Ehren wert. Sie zeigt mitunter begeisternden Offensivfußball und stellt zusammen mit dem FCS die beste Offensive der Liga. Einzig und allein die ab und an gezeigte defensive Unsicherheit wurde vom Umfeld bemängelt.

Die Gewinner

Elversberg performte in fast jedem Spiel zielstrebig nach vorne, so ist es nicht verwunderlich, dass vor allem die Offensive als Gewinner zu sehen ist. Besonders Manuel Feil sticht mit seinen Leistungen momentan heraus. Er erzielte bereits zehn eigene Tore, damit so viele, wie die beiden Stürmer Gösweiner und Williams zusammen. Zudem bereitete er weitere vor. Auch Sinan Tekerci, Feils Gegenpart auf links, hat bereits acht Tore auf dem Konto. Dauerbrenner Fabian Baumgärtel hat sich auf der linken Seite festgespielt und überzeugt vor allem mit seinen gefährlichen Standards. Das Prunkstück des Elversberger Spiels ist die Zentrale mit Patryk Dragon und Kapitän Luca Dürholtz. Torhüter Frank Lehmann, der oft kritisch gesehen wurde in der vergangenen Saison, leistete sich in dieser Saison noch keinen Bock und strahlt die gewünschte Sicherheit aus. Neuzugang Thorben Rehfeldt zeigte teilweise sehr gute Spiele und setzte bei Standards auch im gegnerischen Strafraum Akzente, sorgte aber zudem einige Male für Unsicherheiten in der Defensive. Lobend zu erwähnen ist auch Talent Kai Merk, der in dieser Saison bisher zu acht Einsätzen kam und schon zwei Tore erzielt hat, unter anderem den späten Siegtreffer gegen den FSV Frankfurt. Trainer Horst Steffen hat zudem gezeigt, dass er einer Mannschaft eine Spielidee vermitteln und sie wieder in die Spur bringen kann. Der offensive Fußball geht vor allem auf den Fußball-Lehrer zurück, der eine verunsicherte Mannschaft aus der letzten Saison zu einem Kandidaten für den Aufstieg gewandelt hat.

Die Verlierer

Trotz des guten Tabellenplatzes gibt es auch Spieler, die ihren Erwartungen nicht gerecht wurden. Nils Winter, in der vergangenen Saison noch Stammspieler, hatte keine Chance gegen Lukas Kohler, der aufgrund der Verpflichtung von Baumgärtel wieder nach rechts beordert wurde. Für Winter stehen erst vier Einsätze auf dem Konto, zu wenig für den ehemaligen Kapitän der Alemannia aus Aachen. Oliver Oschkenat hatte sich seinen Wechsel zur SVE sicherlich auch einfacher vorgestellt. Der ehemalige Saarbrücker pendelt immer mal zwischen Tribüne, Bank und Start­elf, konnte die Erwartungen des Vereins bisher eher nicht erfüllen. In der hochgelobten Offensive stottert der Motor von Benno Mohr noch gewaltig. Zu Beginn außen vor, dann in der Startelf und zum Ende wieder außen vor, stellt kein befriedigendes Zeugnis für den Außenspieler dar. Auch Thomas Gösweiner, von Hoffenheim an die Kaiserlinde gekommen, wirkt ab und an glücklos in seinen Aktionen. Der große Stürmer wirkt manchmal etwas ungelenk und auch wie ein Fremdkörper im schnellen Kombinationsspiel der Elversberger.

Das Umfeld

Die Fans und Verantwortlichen sind zufrieden mit dem Team und den gezeigten Leistungen, große Beschwerden vonseiten der Fans gab es keine – dafür läuft die Saison zu glatt. Ein Ärgernis ist wie schon seit Jahren der schleppende Umbau des Vip-Bereichs, wodurch dem Verein Vermarktungsmöglichkeiten entgehen.

Ausblick

Die Chancen stehen gut, dass die SVE bis zum Ende der Saison in Sachen Aufstieg ein Wörtchen mitreden wird. Die offensive Durchschlagskraft ist sehr groß, sollten die Unsicherheiten in der Defensive dauerhaft abgestellt werden, riecht es weiterhin nach einem Dreikampf zwischen Steinbach, Saarbrücken und Elversberg.

Prognose

Kommt die SVE gut aus der Winterpause, ist alles drin, vorausgesetzt unnötige Punktverluste wie in Freiburg werden vermieden. Punktet sie in den schweren Auswärtsspielen in Saarbrücken und Steinbach, spielt sie bis zum Schluss um den Titel mit.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Durch die weitere Nutzung der Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. mehr Informationen

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close