Das große Loch

Quelle: www.magazin-forum.de
von Dominique Rossi und Philipp Häfner

Die Coronakrise hat auch den Saar-Fußball in seinen Grundfesten erschüttert. Eine Rückkehr zum geregelten Spielbetrieb ist nicht absehbar. Die Regionalligisten suchen nach Lösungen.

Marcus Mann nahm es mit Humor. Am vergangenen Samstag feierte der Sportliche Leiter des Fußball-Regionalligisten 1. FC Saarbrücken seinen 36. Geburtstag. „Es ist mal ganz angenehm, keine stressige Spieltagswoche zu haben. Aber natürlich sind die Umstände ungewöhnlich.“ Die Coronakrise erwischte den Tabellenführer und DFB-Pokal-Halbfinalisten wie in einem Zeitraffer. Zu Beginn der vergangenen Woche lag fast die halbe Mannschaft auf flach. Magen-Darm-Infekte, Erkältungssymptome und eine große Portion Unsicherheit. „Wir haben alle unsere Spieler testen lassen, es war bislang kein positiver Corona-Fall dabei“, sagt Mann.

Vorerst ist der Spielbetrieb in der Regionalliga ausgesetzt. Ob er überhaupt noch einmal aufgenommen wird? Beim 1. FCS ist man skeptisch: „Wir sind ja auch darauf angewiesen, was uns die Experten sagen. Es heißt ja immer, dass die Entwicklung der Pandemie nicht absehbar ist. Was ist, wenn wir in vier Wochen wieder anfangen und danach einer unserer Spieler positiv getestet wird? Müssen wir dann alle in Quarantäne? Und danach wieder spielen? Marcus Mann stellt sich Fragen, die derzeit wohl niemand seriös beantworten kann. Allerdings muss er auch Antworten finden. Denn der 1. FC Saarbrücken ist auch Arbeitgeber: „Die Spieler haben grundsätzlich einen Anspruch auf einen geregelten Trainingsbetrieb. Wir haben viele Spiele gewonnen, die Spieler konnten ja damit rechnen, dass Prämien hinzukommen. Viele haben Kinder, es ist auch eine soziale Frage“, sagt Mann.

Spieler haben Anspruch auf Trainingsbetrieb

Gleiches Bild auch bei der SV Elversberg und dem FC 08 Homburg. „Die Mannschaft hatte nach der Absetzung der Spieltage frei. Inwiefern die Spieler das Training in Heinitz wieder aufnehmen oder individuell arbeiten, hängt von den tagesaktuellen Entwicklungen ab. Grundsätzlich nehmen wir die Situation im gesamten Verein von Anfang an sehr ernst. Die Gesundheit steht an oberster Stelle. Es ist wichtig, dass wir verantwortungsbewusst handeln, gerade in Bezug auf die Mitmenschen, die durch ihr Alter oder Vorerkrankungen als besonders gefährdet gelten“, erklärte Sportchef Ole Book: „Wir hoffen natürlich, dass sich die Situation in absehbarer Zeit bessert und wir die Saison zu Ende spielen können.“ Welche konkreten Auswirkungen sich aber letztlich auf den Spielbetrieb ergeben würden, lasse sich zum jetzigen Zeitpunkt schwer sagen. „Es wird viel darüber diskutiert, aber es ist eine Frage, mit der sich in erster Linie die Verbände beschäftigen müssen“, sagte Book.

Bereits zuvor hatte die SVE den Trainingsbetrieb im französischen Großblittersdorf ausgesetzt und an die heimische Kaiserlinde geholt.

Beim FC Homburg herrscht ebenfalls Ratlosigkeit. ,,Wir müssen nun sehen, wie sich die Situation weiter entwickelt“, sagte Vereinspräsident Herbert Eder gegenüber der „Saarbrücker Zeitung“. Ob die Mannschaften in zwei bis drei Wochen wieder zum normalen Spielbetrieb in der Regionalliga Südwest zurückkehren können, wisse zum jetzigen Zeitpunkt einfach niemand. „Spiele ohne Zuschauer oder sogar der Abbruch der Saison würden viele Vereine in finanzielle Schieflage bringen“, erklärt der Steuerberater. Bei einem Saisonabbruch und monatelanger Pause könnte der FC Homburg „Kurzarbeitergeld“ für seine Profis und Angestellten beantragen. Besonders bitter für den FCH: Die lukrativen Heimspiele gegen die SV Elversberg und den 1. FC Saarbrücken hätten noch auf dem Programm gestanden. „Man kann durchaus sagen, dass die Einnahmeverluste für den FC Homburg aus den Spielen gegen Elversberg und Saarbrücken sowie den anderen drei Heimspielen je nach Besucherzahlen zwischen 60.000 und 80.000 Euro liegen würden“, sagt Eder. Der Deutsche Fußball-Bund hat mittlerweile angekündigt, in finanzielle Schieflage geratene Regionalligisten unterstützen zu wollen. Für manche Clubs könnten die wirtschaftlichen Ausfälle existenzbedrohend sein – etwa für den FC Gießen. Der Aufsteiger kann seine Spieler momentan nur mit Mühe und Not zahlen und braucht schnell über 200.000 Euro, um die Insolvenz abzuwenden. Dafür hatte der Club für das kommende Heimspiel einige Promo-Aktionen geplant, um Zuschauer und Sponsoren zu gewinnen. Blieben Einnahmen aus, könnte Gießen seine Mannschaft schon vorerst vom Spielbetrieb abmelden müssen.

Die große Frage: Wann wird wieder gespielt?

Große finanzielle Auswirkungen auf die drei Saarvereine sind dagegen erst einmal nicht zu erwarten. Alle werden von finanzstarken und derzeit wirtschaftlich stabilen Hauptsponsoren gestützt. Für den 1. FC Saarbrücken ist der Spielbetrieb im Völklinger Exil ohnehin ein Zuschussgeschäft, die SVE aufgrund ihrer Struktur auch nicht primär von Zuschauereinnahmen abhängig. „Es sind eher Probleme arbeitsrechtlicher Natur. Wir haben Spieler, deren Verträge am 30. Juni auslaufen und die sich je nach Ligazugehörigkeit verlängern würden. Andere müssen auf eine bestimmte Anzahl von Spielen kommen. „Was machen wir mit denen?“, fragt Sportdirektor Mann. Und sportlich? Ein Vorgehen könnte sein, die Saison ohne Publikum zu Ende zu spielen. Dies würde für die Vereine unter anderem mit finanziellen Einbußen einhergehen, weil etwa Zuschauer- und teils Sponsoreneinnahmen ausfielen, während Spielergehälter wohl weiter gezahlt werden müssten. Von einem vorzeitigen Abbruch könnte der FCS profitieren. „Wir müssen abwarten, was DFB und DFL für die Bundesligen entscheiden. Wird von unten nach oben aufgestockt, wird das sicher auch für die Dritte Liga und die Regionalligen gelten“, sagt Mann und ergänzt: „Jede Entscheidung wird davon abhängen, wenn feststeht, wann wieder gespielt werden kann.“

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